Wer kennt das nicht? Der Morgen beginnt mit einer kleinen Laufeinheit. Nach einer erfrischenden Dusche, einem guten Kaffee dann den Weg ins Büro oder auch an den Schreibtisch im Home-Office. Die Laune ist bestens. Der Tag kann beginnen.
Anschließend öffnest du das E-Mail-Postfach.
Ein Mail deines Vorgesetzten. An den gesamten Bereich gerichtet.
Die Nachricht beginnt mit den Worten: „Aus gegebenem Anlass…“
Es folgt eine sehr allgemein gehaltene Information aufgrund des Fehlverhaltens eines Einzelnen.
Die Nachricht ist allerdings nicht an diesen einzelnen Mitarbeiter gerichtet.
Nein, an den gesamten Bereich.
What?
Was soll denn das?
Entspricht dies den Grundsätzen guter Führung?
Oder vermeidet der Vorgesetzte hier nicht die notwendige Führung?
Mal geht es in solchen Mitteilungen um die unangemessene private Nutzung eines geschäftlichen Handys, mal um Regelungen zum Home-Office oder um ähnliche Themenstellungen.
Das Problem dabei: solche unspezifischen Nachrichten haben für die meisten der Adressaten keinerlei Relevanz.
Gleichzeitig prägen sie aber die Kultur im Unternehmen. Und zwar negativ. Sie richten den Blick auf ein Defizit. Im schriftlichen Rundumschlag an zahlreiche Unbeteiligte.
Und was hat das mit dir gemacht? Deine Motivation für den Tag ist entwichen. Genauso schnell wie die Luft aus einem platzenden Luftballon.
Doch was ist hier falsch?
Was zieht uns bei solchen Nachrichten „den Stecker“?
Was stört uns einfach?
Es ist die Pauschalität, die solchen Schreiben zu Grunde liegt.
Dass bei einem Fehler eines einzelnen Mitarbeiters, das gesamte Team, die gesamte Abteilung oder der gesamte Bereich in Sippenhaft genommen wird. Das eben „aus gegebenem Anlass“ ein Verbot ausgesprochen wird.
Nun ja, kann man nun festhalten, es gibt ja auch ein Fehlverhalten. Und da muss der Vorgesetzte auch darauf reagieren. Er kann das Fehlverhalten ja nicht einfach so stehen lassen.
Sicher, Führung ist hier gefragt.
Echte Führung. Die eben genau dort den Hebel ansetzt, wo der Fehler liegt. Und nicht einen Prozess für alle ändert, weil ein einzelner sich nicht an die Spielregeln gehalten hat.
Gute Führung ist nicht immer einfach. Weder für den, der geführt wird, noch für den, der führen darf. Es bedeutet im Besonderen auch, individuell einzugreifen und Fehlverhalten zu sanktionieren. Direkt, persönlich und klar.
Im beispielhaften Falle der unangemessenen privaten Nutzung eines geschäftlichen Handys ist es dringend geboten, mit dem Mitarbeiter direkt zu sprechen und eine tragfähige Lösung zu finden. Wie auch immer diese aussehen mag.
Das kann mit einer formlosen, mündlichen Ermahnung beginnen, beim Wiederholungsfall oder besonders schwerwiegenden Fall auch die schriftliche Form bedingen oder bei Notwendigkeit weitere disziplinarische Maßnahmen nach sich ziehen.
Auf jeden Fall verbleibt die Angelegenheit aber zwischen dem Mitarbeiter und der Führungskraft. Die anderen Mitarbeiter werden hier nicht einbezogen und in einem pauschalen Schreiben – „aus gegebenem Anlass“ – angeschrieben.
Wichtig ist es, authentisch zu führen. Wertschätzend und gleichzeitig klar. Menschlich und gleichzeitig verbindlich. Und sich nicht hinter Allgemeinplätzen zu verstecken.
Führung braucht Persönlichkeit!